Info-Brief zur Hilfsfahrt an die polnisch-ukrainische Grenze

Der Krieg in der Ukraine ist jetzt in der dritten Woche. Die unschuldigen Menschen in der Ukraine leiden unter den Bombenangriffen und Verwüstungen, die der unmenschliche, barbarische Diktator Putin mit zunehmender Grausamkeit über dieses Volk bringt. Anstelle unseres 20-jährigen Partnerschaftsjubiläums, das wir in diesem Jahr feiern wollten, sammeln wir Sach- und Geldspenden für das Sozialzentrum in Boryslaw. In der Katholischen Spitalstiftung sind bereits eine Woche nach unserem Spendenaufruf Hilfsgüter im Wert von grob geschätzt 15.000 Euro eingegangen; an Spendengeldern mehr als 25.000 Euro (Stand 11.März 2022).

 Bevor am Dienstag, 8. März 2022 in aller Frühe der Kleinbus Richtung Slowakei startete, waren große Mengen an gespendeten Hilfsgütern zu sortieren.

„Wir sind überwältigt von der riesigen Hilfsbereitschaft“ sagte Stiftungsdirektor Thomas Müller, der zusammen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftungsverwaltung unermüdlich organisierte. Auch viele Ehrenamtliche, Kirchengemeinderäte, Mitglieder des Umweltteams und engagierte der Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheit halfen beim Verpacken und Beschriften. Es herrschte eine gewisse Unsicherheit, welche bürokratischen Hindernisse zu überwinden sind. So wird der Inhalt der Kartons in slowakischer, polnischer, deutscher und ukrainischer Sprache beschriftet. Alle Kartons – es sind über 200 – wurden durchnummeriert und in eine Gesamtliste eingetragen.

Mit einem Teil der Geldspenden wurde ein Notstromaggregat gekauft und in den VW-Bus verladen. Medikamente entsprechend einer Anforderungsliste mussten ebenfalls beschafft werden. Eine großzügige Medikamentenspende der Schillerapotheke wurde abgeholt, auch die Neckarapotheke spendete weitere medizinische Produkte sowie Desinfektionsmittel.

Im Minutentakt trafen beim Altenpflegeheim „Ita von Toggenburg“ am Samstagmorgen in Horb Sachspenden der Bevölkerung ein. Im Privathaus der Familie Silberzahn in Bildechingen kamen mehr als 40 Personen vorbei. „Unsere Garage quillt über“ stellte Elisabeth Silberzahn fest. Auch in der Bildechinger Kirche konnten Decken, Lebensmittel und Hygieneartikel abgegeben werden.

 

Für den ersten Hilfstransport waren – neben dem voll beladenen VW-Bus der Spitalstiftung - 8 Palettenstellplätze im LKW in die Slowakei vorgemerkt, als rund 16 Kubikmeter an Waren. Bald wurde klar, dass rund die doppelte Menge an Hilfsgütern eingegangen waren.

Um schnell zu helfen, wurden vorab verschiedene Geldbeträge nach Boryslaw überwiesen. So konnten insbesondere Lebensmittel sofort beschafft werden.

Am Mittwoch, 9. März konnten Pfarrer Peter Pidlubnyi und sein Team die erste Hilfslieferung aus Horb direkt in Empfang nehmen. Paul Welte und Peter Silberzahn fuhren mit dem Kleinbus der Spitalstiftung voll beladen mit Medikamenten, einem Notstromaggregat und weiteren großen und schweren Paketen mit allerlei Hilfsmitteln nach Martin in der Slowakei. Dort kam in der Nacht ein LKW der Firma Luftfilter-Volz aus Horb an, beladen mit 16 Kubikmeter Hilfsgüter.

 

Die Firma Volz hat dort eine große Produktionsstätte. Von dort bis zur polnisch-ukrainischen Grenze wurde ein Kleinlaster eines slowakischen Spediteurs geschickt, begleitet vom VW-Bus der Spitalstiftung.

 

 

Reisebericht von Peter Silberzahn und Paul Welte Dienstag, 8. März 2022

Wir starten um 4:00 Uhr mit den VW-Bus der Spitalstiftung um nach Martin, einer Kleinstadt in der Slowakei zu fahren. Die Fahrt verläuft problemlos. 1000 Kilometer über München, Wien, Bratislawa bis nach Martin. Wir werden bei der Ankunft am Spätnachmittag von einem Mitarbeiter der Fa. Volz freundlich empfangen, können für eine Nacht in einem Ferienhaus schlafen und vorher noch die Firma besuchen, in der in der Nacht der LKW aus Horb ankommen wird.

Mittwoch, 9. und Donnerstag, 10. März 2022

9:00 Uhr Verladen der Güter in einen Kleintransporter. Erste Herausforderung: Der Kleinlaster kann nur max. 1.200 kg transportieren, Wir wiegen die gesamten Paletten: sie wiegen 2.400 kg. Spontan wird geklärt, dass am Mittwoch nochmals ein Kleintransporter zur Grenze fahren soll. Von Martin sind es 370 Kilometer durch die Slowakei, dann über die Karpatenausläufer (es gibt Schneeglätte) nach Polen. Nach gut fünf Stunden erreichen VW-Bus und Kleintransporter die polnisch-ukrainische Grenze. Pfarrer Peter und sein Team sind mit drei Transportern aus Boryslaw angereist (80 Kilometer, zwei Stunden) und warten bereits an der Grenze auf der ukrainischen Seite. Nach kurzer Passkontrolle können wir die polnische Grenze passieren und kommen in den neutralen Grenzbereich, wo wir unsere ukrainischen Freunde treffen und die Waren schnell umladen können.

Schneetreiben an der Grenze bei der Warenübergabe - Pfarrer Peter Zweiter von rechts (er übergibt eine Dankesurkunde) daneben Vira, die Dolmetscherin und Projektmitarbeiterin.

Nach dem Verladen der Waren heißt es Abschied nehmen Die drei Fahrzeuge aus Boryslaw fahren nach Osten, wir fahren zum polnischen Grenzgebäude, wo wieder unsere Pässe kontrolliert werden. Während wir warten, kommen ständig neue Flüchtlinge zu Fuß von der ukrainischen Gebäude nach Polen herüber.

Junge Frauen mit Säuglingen oder Kleinkindern, ältere Menschen, die ihren Koffer und eine Plastiktüte – das ist alles was sie mitnehmen konnten – kaum tragen können. Junge polnische Freiwillige helfen, sind freundlich, geben den ankommenden Menschen das Gefühl willkommen zu sein.

Wir fragen dort, ob wir in unserem VW-Bus jemanden mitnehmen können, der nach Deutschland möchte. Im Grenzbereich findet sich so schnell niemand. Wir erhalten von einem jungen polnischen Grenzbeamten, der gut Englisch spricht, die Adresse einer Flüchtlingsunterkunft einige Kilo-meter hinter der Grenze. Dort, in einem Schulgebäude sind 200 Flüchtende, überwiegend Frauen mit ihren kleinen Kindern notdürftig untergebracht. Eine junge Frau aus Charkiw mit einem neunjährigen Sohn und einem einjährigen Kleinkind hat Freunde in Leipzig, eine andere – sie hießen beide Iryna – ist aus Kiew geflüchtet, möchte zu ihrer Schwester nach Warschau. Sie hat einen fünfjährigen Sohn. Wir fahren los, es ist mittlerweile dunkel geworden und es schneit. Wir planen noch etwa eine Stunde zu fahren und dann ein Hotel zu suchen. Leider sind alle Hotels überfüllt, wir müssen durch die Nacht fahren. Gegen 4:00 Uhr erreichen wir Warschau. Iryna aus Kiew ist überglücklich und wird vor dem Wohnblock in dem ihrer Schwester wohnt, vom Schwager in Empfang genommen.

Wir fahren weiter, wechseln uns stündlich mit dem Fahren ab, machen hier und da eine Pause bei einer Autobahnraststätte und erreichen am nächsten Tag um 14 Uhr nach 750 Kilometern ab Warschau Leipzig, wo Iryna aus Charkiw von Freunden erwartet wird.

Ihr kleiner Sohn Jaroslaw wird am darauffolgenden Tag ein Jahr alt. Wir schenken ihm zum Abschied noch ein kleines Geburtstagsgeschenk.

Dann suchen wir uns in der Nähe von Leipzig ein kleines Hotel zum Ausschlafen. Die Rückfahrt am darauffolgenden Freitag nach Horb verläuft ohne Probleme.

 

Weitere Geld- und Sachspenden werden dringend benötigt.
Spendenkonto der Kath.Spitalstiftung Horb:

Kath.Spitalstiftung Horb

Stichwort: Ukrainehilfe

IBAN: DE21 6429 1010 0120 1210 00

BIC: GENODES1FDS


Nach der neuen Prioritätenliste werden besonders benötigt:
Bettwäsche, Kopfkissen, Lebensmittel (auch Babynahrung, Nudeln, Mehl), Hygieneartikel (Zahnpasta, Duschgel,etc.), Windeln,
Nicht mehr benötigt werden: Handtücher, Isomatten


Wir informieren laufend über unsere Ukrainepartnerschaft und die Hilfslieferungen. Vielen Dank für alle Geld- und Sachspenden. Helfen wir zusammen, den Menschen in der Ukraine unsere Solidarität zu zeigen und die große Not ein klein wenig zu lindern.

 

Um den vollständigen Austausch zu lesen, bitte auf nebenstehendes Bild klicken.